Winterolympiade, Seemannsknoten und Schaffkopf

 Was sich in dieser ungewöhnlichen Zusammenstellung nach dem Titel eines preisverdächtigen Kabarettprogramms anhört, ist in Wirklichkeit der Auszug aus einem sehr besonderen Unterrichtsangebot. Eine ganze Woche lang durften sich die Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Holzkirchen in einem außergewöhnlichen Rahmen bewegen: Die Klassenverbände wurden aufgelöst, die „Großen“ und „Kleinen“ fanden sich gemeinsam in jahrgangsgemischten Workshop-Gruppen zusammen. Aus insgesamt 17 verschiedenen Angeboten konnten die Kinder und Jugendlichen an jedem Wochentag ein ganz bestimmtes Programm wählen, das die Lehrkräfte der Mittelschule eigens für die Projektwoche erstellt hatten.

Die inhaltliche Vielfalt entsprang der Kreativität des Kollegiums und konnte in thematischer Hinsicht zwischen Heimatverbundenheit und Weltoffenheit einiges bieten: Die Pflege der bayerischen Tradition des „Kartlns“, ein Finger-Food-Kochkurs, die alte Kunst des Papierschöpfens, Musikalisches, Philosophisches und Sportliches fanden bei den Schülerinnen und Schülern großen Anklang. „Eine tolle Abwechslung!“, „Wir dürfen so viel Neues erleben!“, so der Tenor der Workshopteilnehmer. Der eigentliche Wert, der sich hinter den bunten Angeboten verbirgt, ist laut Rektor Christian Turnwald „das gegenseitige Kennenlernen und Zusammenwachsen der Schulfamilie“. Ganz automatisch würden sich in den Workshops Gruppen von Menschen begegnen, die sich ansonsten nur vom Sehen oder einem zufälligen Gang über den Pausenhof kennen. „Wenn der Zehntklässler den Namen des Fünftklässlers erfährt und die beiden im gemeinsamen Team um olympische Medaillen kämpfen oder Kommunikation trainieren, verändert das eine ganze Menge. Das eigene Umfeld endet dann nicht mehr an der Klassenzimmertür und die Personen, die sich durch das Schulhaus bewegen, sind keine anonyme Masse mehr“, so Turnwald. Gemeinsam jonglieren, Freundschaftsbänder flechten oder einfach nur den angemessenen Ton beim Mensch ärgere dich nicht treffen – all dies gelang den Schülerinnen und Schülern gemeinsam mit großer Disziplin und vorbildlichem Verhalten.

Konrektorin Barbara Unsin benennt den Nutzen: „In einem Umfeld, in dem wir uns wohlfühlen und in dem wir uns gerne aufhalten, können wir besser lernen.“ Rektor und Konrektorin sind sich einig: „Es gehört zu den absoluten Stärken der Schulart Mittelschule, dass wir neben den fachlichen Bildungszielen auch die Möglichkeit haben, die Kinder und Jugendlichen in ihrem Menschsein abzuholen. Die Werteorientierung war uns dabei in allen Workshops besonders wichtig“, erklärt Turnwald. „Unabhängig vom inhaltlichen Angebot gab es immer einen Bezug zur Förderung der sozialen und ethischen Kompetenz.“ In diesem Zusammenhang wurden neben der „kleinen“ Schulwelt auch globale Geschehnisse thematisiert, beispielsweise das Nachvollziehen der Routen geflüchteter Menschen (s. Bild). Als besonderes Highlight hatte die Mittelschule eine Schauspielerin zu Gast, die als Vertreterin des Münchner Vereins „Impro macht Schule“ einen Kurs mit den Grundlagen des Improvisationstheaters abhielt. Hier konnten die Schülerinnen und Schüler lernen, wie man ohne vorbereiteten Text, nur mit der eigenen, persönlichen Erfahrung ausgestattet, verschiedene Situationen auf der „Bühne des Lebens“ bewältigt.

– „Wir haben viel gelernt!“, „Es hat Spaß gemacht!“, „Ich habe neue Freunde gefunden!“, sind nur einige der vielen positiven Rückmeldungen, die aus der Schülerschaft kamen. Nach Turnwald „eine rundum gelungene Woche, aus der wir alle gestärkt für die Aufgaben der Zukunft hervorgehen“.